The SPEED will be on
19. Februar 2011
Nach mehreren Rekorden im Swoopen engagiert sich Moritz Friess nun auch im Speed Skydiving und holt Ende Mai einen Wettbewerb der "Speed Skydiving World Series" nach Deutschland, genauer gesagt nach Günzburg.
Hier ein kleiner Vorgeschmack auf das Ereignis bzw. ein paar wissenswete Details über diese Disziplin.
Wenn Moritz Friess Interesse an einer Sache gefunden hat, gibt es kein Halten mehr. Mit an Besessenheit grenzender Akribie sammelt er möglichst viele Informationen und geizt auch nicht mit Selbstversuchen, um den physikalischen Prinzipien und Wirkmechanismen auf den Grund zu gehen. Seit Neuestem hat er das Speed-Sydiving für sich entdeckt und berichtet in seinem Schreiben an das DFV-Präsidium einerseits von den Erfahrungen im Verlauf der letzten Saison, andererseits auch davon, dass es im Mai erstmals einen internationalen Wettbewerb in dieser Disziplin über deutschem Boden geben soll - nicht ganz zufällig vor den Toren seiner Heimatstadt Neu-Ulm.
Hier also die Notizen zu Disziplin und Wettbewerb, die wir nicht nur deshalb gerne veröffentlichen, weil wir so charmant darum gebeten wurden, sondern weil sie auch wirklich Wissenswertes enthalten und mit einigen Irrtümern aufräumen. Voilà:
"Beim Speedskydiving wird aus Höhen zwischen 3962m und 4267m AGL gesprungen (niedriger aufgrund von Wetter oder Flugsicherung geht, höher für gültige Rekorde nicht), meist aus 4000m. [Anm. der Red.: Geht's nicht auch noch mit Nachkommastellen?] Es zählt nicht die erreichte Höchstgeschwindigkeit, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine Messstrecke von 1000m. Diese liegt zwischen 2700m und 1700m AGL.
Sämtliche Geschwindigkeiten in dieser Liste sind derartige Durchschnittswerte, was für mich immer unglaublicher wird, umso mehr ich mich damit beschäftige - die erreichten Höchstgeschwindigkeiten liegen teilweise noch wesentlich höher.
Die Nummer 1 auf der Liste beschleunigt z.B. im lufterfüllten Raum auf einer Strecke von 1300m auf eine Geschwindigkeit, die er im luftleeren Raum nach 1100m erreichen würde, in der Theorie erstaunlich, in der Praxis unglaublich - wenn man weiß welche Windkräfte ab einer gewissen Geschwindigkeit anliegen.
Sämtliche Werte, die Ottonormalspringer bezüglich Freifallgeschwindigkeiten im Kopf hat, sind (sofern es sich um höhere Geschwindigkeiten handelt, auf dem Bauch stimmen die Werte noch einigermaßen, mit zunehmender Geschwindigkeit nehmen die Messfehler massiv zu) Blödsinn. Das kommt daher, dass handelsübliche Messgeräte im Helm oder am Handgelenk durch Bewegungen Veränderungen in der An- bzw. Umströmung erfahren. Das führt zu Strömungsspitzen, die sehr oft zu viel zu hohen Werten für die maximale Fallgeschwindigkeit während eines Sprunges führen. Der zu hohe Maximalwert zieht den Durchschnitt mit nach oben, verfälscht ihn also auch. Während des Funwettkampfs in Günzburg zählte nicht die Durchschnitts-, sondern die maximale Geschwindigkeit. Die extremste Fehlmessung lieferte ein im Helm montierter Pro-Track, der eine Max von 411km/h meldete, die offizielle Messtechnik kam gerade mal auf 278km/h.
Gemessen wird die Geschwindigkeit mit zwei roten, sog. offiziellen Pro-Tracks. Die Geräte werden nach dem Regelwerk links und rechts am Gurtzeug etwas oberhalb der Hüfte befestigt - bewusst nah am Schwerpunkt und vor allem nicht an äußeren Extremitäten.
Beim Auslesen der Daten bildet die Software einen Mittelwert aus den Messwerten der beiden Geräte. Die Messwerte dürfen nur wenig voneinander abweichen (große Abweichungen sind ein Indiz für eine der erwähnten Strömungsspitzen), anderenfalls ist der Sprung ungültig. Bei sauberen Spüngen messen beide Geräte oft auf das km/h genau gleich!
Ein Wettkampf geht über 6 Runden (mindestens 2 Runden), von denen nur die besten drei in die Wertung gehen. Deswegen gibt es bei ungültigen Spüngen durch Messfehler auch keine Rejumps.
Saubere Sprünge produzieren ohnehin keine Messfehler. Für die Endabrechnung zählt der Mittelwert dieser drei Sprünge, für Rekorde der Mittelwert des besten einzelnen Sprungs.
Nach einem Erstkontakt mit der Thematik Speedskydiving durch Mike Brooke in 2002/2003 tat sich bis letztes Jahr diesbezüglich bei mir nichts mehr. 2010 habe ich dann in Günzburg mit L&B-Unterstützung [Anm. der Red.: Gemeint ist wohl Larsen & Brusgaard] einen über die ganze Saison laufenden Fun-Speed-Wettbewerb ausgerichtet. Vor allem deswegen war meine Bewerbung für Günzburg bei der ISSA (International Speed Skydiving Association) um die Ausrichtung eines offiziellen Events der sog. "Speed Skydiving World Series" erfolgreich. Nun findet also Ende Mai erstmals überhaupt ein offizielles Event in dieser Disziplin in Deutschland statt.
Die World Series 2011 sind fast so etwas wie ein Alpencup, denn die drei entscheidenden Wettkämpfe sind in diesem Jahr zufällig neben Deutschland auch in der Schweiz und in Österreich. Um Weltmeister zu werden, muss/müsste man an mindestens zwei Wettkämpfen teilnehmen, da die beiden besten Meetresults dafür in die Wertung gehen (Genaueres zum Regelwerk hier)
Die Ausschreibung für den Wettkampf in Deutschland befindet sich hier.
P.S.: Den Funwettkampf in Günzburg (fast 40 Teilnehmer) habe ich zwar gewonnen, ob ich Christian Ferrari von den freien Radikalen seinen nationalen Rekord abluchsen kann, wage ich aber noch zu bezweifeln...
P.P.S.: Die beiden "blauen Bilder" zeigen den Vizeweltrekordhalter Marco Wiederkehr aus Lichtenstein, das andere Arnold Hohenegger aus Österreich, die Nummer 4 der "ewigen Tabelle" (siehe oben)."
[Anm. der Red.: Na dann fröhliches Alpenglühen!]






















